FRIEDHOF TUT GUT

Nicht jeder braucht den Friedhof für seine Trauer, aber die meisten Menschen brauchen für ihre Trauer viel Zeit, einen geeigneten Ort und stimmige Rituale.

Für eine humane Kultur ist es unverzichtbar, dass Begräbnisorte gleichsam im Sichtbereich der Lebenden liegen, um in diesen das Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit wach zu halten. Dazu gehört auch die individuelle Gestaltung und Pflege des Grabes, die dem menschlichen Bedürfnis entgegenkommt, für Verstorbene noch "etwas tun zu können".

Es ist heilsam, die Stelle der Grablegung mit dem Namen des Verstorbenen zu kennzeichnen. Trauer und Totengedenken brauchen den konkreten Ort und konkrete Zeichen. Damit ist ihm die personale Würde gegeben, die in seinem Namen ihren Ausdruck findet.

Wie Bäume über Nacht vom Sturm entwurzelt auf der Erde liegen, so werden Menschen aus ihrem sozialen Umfeld von Verwandten und Freunden gerissen. Für den Abschied bleibt dann nicht viel Zeit – in der Regel sind es 3 Tage bis zur Beerdigung.

Bewusst Abschied nehmen hilft den Hinterbliebenen, den Tod zu realisieren und sich in einer Welt ohne ihren geliebten Menschen besser zurecht zu finden.

Wichtig ist es anzuerkennen, dass keiner dem anderen einen Abschied abnehmen kann. Jeder muss sich selbst dem Leben stellen, so wie es sich ihm zeigt. Jeder muss selbst lernen, seinen Abschieden zuzustimmen und selbst seinen Lebens- und Abschiedsweg zu gehen.

Abschied gelingt dann, wenn der Abschiedsschmerz sein darf, wenn das Gute, was verloren ging, geachtet und gewürdigt wird, wenn man dankbar sein kann, für das was war – wenn man loslassen kann.
(Quelle: Kunstgießerei Strassacker)

Warum trauern wir?

Trauer ist gewissermaßen der Preis dafür, dass wir einen Menschen lieben. Wir trauern, weil wir jemanden verloren haben, zu dem wir eine Bindung aufgebaut haben. Wichtig ist, die eigenen Gefühle nicht zu verurteilen oder zu verdrängen, sondern diese als Teil des Schmerzes, einen geliebten Menschen verloren zu haben, anzuerkennen.

Das Ehren der Toten schwächt die Trauernden nicht. Im Gegenteil, es gibt ihnen mehr Kraft für ihr Leben, weil sie in positiver Weise mit ihren Wurzeln verbunden bleiben.

Die Unfähigkeit, mit Schmerz und Trauer umzugehen ist gewachsen. Immer mehr Beisetzungen werden anonym vollzogen. Jede Anonymisierung der Bestattungen trägt dazu bei, den Tod unsichtbar zu machen und die personale Würde des Menschen über den Tod hinaus zu verdunkeln.

Die Unfähigkeit, mit Schmerz und Trauer umzugehen ist gewachsen. Immer mehr Beisetzungen werden anonym vollzogen. Jede Anonymisierung der Bestattungen trägt dazu bei, den Tod unsichtbar zu machen und die personale Würde des Menschen über den Tod hinaus zu verdunkeln.

Warum ein Grabmal ?

Das Grab ist ein wichtiger Bezugspunkt für Hinterbliebene (unabhängig davon, wie oft sie dieses besuchen). Wenn sie das Grab besuchen, muss Raum sein für ihre Trauer, für ihr Gedenken. Sie wollen möglichst direkt an den Platz, wo der Tote bestattet ist, herantreten und diesen schmücken. Trauer braucht einen Ort. Schmerzlich spüren dies Menschen, die ihre Angehörigen durch Unfälle oder Katastrophen verlieren, bei denen die Leichen nicht geborgen werden können.

Durch Friedhofsbesuche und die Ausübung von Trauerritualen haben die Menschen die Möglichkeit, ihre Verbundenheit und Liebe zu den verstorbenen Angehörigen über den Tod hinaus auszudrücken. Friedhöfe und die damit verbundene Bestattungs- und Grabpflegekultur bringen Wertschätzung, Respekt und Verbundenheit über den Tod hinaus zum Ausdruck und sind damit ein wesentlicher Bestandteil unserer kulturellen Tradition und Identität. Eine Gesellschaft benötigt solche Orte, die es den Menschen ermöglicht, sich in ihrer Trauer zu finden und ihren Gefühlen einen Halt zu geben.

Sie wollen nicht mit anderen, fremden das Grab teilen müssen. Dieses Bedürfnis ist vielen Menschen vor Eintritt des Todesfalles bzw. der Bestattung so nicht bewusst. Die Begräbnisstätten sind für die Gesellschaft ein konkreter Ort des Andenkens und Erinnerns, der Trauer und Klage, aber auch der Trauerbewältigung und des Trostes.
(Quelle: Kunstgießerei Strassacker)

Die Urnenwand

Kolumbarien bzw. Urnenwände sind gemauert oder in Beton ausgeführte Architekturen zur Unterbringung von Urnen in gleichförmigen Verwahrnischen, meist mit individuell zu beschrifteten, jedoch einheitlichen, Verschlussplatten. Das Schmücken der Urnenwand mit Vasen, Blumenschalen und Gebinden ist über die einschlägigen Ablagestellen hinaus nicht erlaubt.

In den gegenwärtig angebotenen Kolumbarien kommt es während der Ruhefrist nicht zum Vergehen der Aschereste, da im Gegensatz zum Urnenerdgrab kein Erdkontakt besteht, weshalb nach Ablauf der gesetzlichen Ruhefrist die Urnen „zweitbestattet“ werden müssen. Es sind also für diese Urnen ebenfalls Erdflächen vorzuhalten, in denen die Urnen zum Zweck des Vergehens ein zweites Mal beigesetzt werden müssen.
(Quelle: Kunstgießerei Strassacker)

Das Rasengrabfeld

Rasengräber sind Urnengrabstätten ohne Grabpflege, wie es von den Angehörigen zum Zeitpunkt der Entscheidung für diese Bestattungsart gedacht war, und von der Friedhofsverwaltung auch so verlangt wird. Die Realität sieht jedoch leider etwas anders aus.

Rasenfeld in Kaiserslautern
Rasenfeld in Kaiserslautern

Die Trauernden bedauern sehr oft den Schritt, ihre Verstorbenen in einer Grabstätte ohne die Möglichkeit einer persönlichen und individuellen Trauerbewältigung beigesetzt zu haben. Es fehlt der Platz für Trauerrituale. Das Bedürfnis nach dem Tod einem lieben Verstorbenen etwas zu hinterlassen, etwas tun zu können. Oft ohne diese Kenntnis und zu schnell wurde die Entscheidung über eine Bestattungsart ohne Grabpflege getroffen.
(Quelle: Kunstgießerei Strassacker)

Baumgrab

Im Friedwald sollen Urnen beigesetzt und von einem Baum überwachsen werden, was als Baumbestattung bezeichnet wird. Bei der Feuerbestattung ist nach der Einäscherung die Bestattung bereits abgeschlossen. In der Urne werden dann lediglich die Reste des Kalkskeletts der Knochen „beigesetzt“ – nicht „bestattet“.

Wo bist Du?
Wo bist Du?

Diese neuen Beisetzungs- und Friedwälder haben gerade in ihrer stärksten Idee, dem freien Bezug zur Natur, im Blick auf die Trauer der Hinterbliebenen ihre empfindlichste Grenze, wenn es heißt: „Bilder, Trauerinsignien oder Kerze passen nicht in einen Friedwald und dürfen nicht aufgestellt werden.“ Diese werden ständig von den Friedwaldbetreibern, mit erheblichem Aufwand, entfernt. Dadurch werden wichtige Trauerrituale für die eigene Trauerbewältigung untersagt und sind für Angehörige nicht möglich.
(Quelle: Kunstgießerei Strassacker)

Pflegeleichte Grabanlagen

 


Urnenwälder kritisch hinterfragen


 
In dem vorgenannten Fall in Goch wurde die Errichtung eines Friedwalds mit 23 Gegenstimmen mehrheitlich im Rat abgelehnt. Die teilweise sehr persönlich geführten Diskussionen im Vorfeld waren sinnbildlich: Einerseits gab es die Meinung, dass man um einen Urnenwald in der Region nicht umhin komme, um dem Zeitgeist gerecht zu werden. So wurde argumentiert, dass viele Menschen nicht mehr die Zeit für Grabpflege hätten. Die andere Seite verwies auf die jetzt schon problematische Situation der bestehenden Friedhöfe in der Gemeinde. Tatsächlich ist es äußerst fragwürdig, wieso Kommunen einen Urnenwald zulassen, wo ihre eigentlichen Friedhöfe immer leerer werden und  damit auch ein finanzielles Problem darstellen. Dabei bieten die bestehenden Friedhöfe oft viel Potential, die Leerflächen können mit neuen Friedhofskonzepten belegt werden, die gleichermaßen den Zeitgeist aufgreifen. Anspruchsvoll gestaltete Gemeinschaftsgrabanlagen zu fairen Preisen ohne Verpflichtung zur Grabpflege sind zum Beispiel ein Angebot, das sich in immer mehr Gemeinden durchsetzt und dem bestehenden Friedhof zugutekommt. Selbst die Idee der „Naturbestattung“, die Urnenwaldanbieter für sich einnehmen, ist keine neue Erfindung: Auf vielen Friedhöfen ist eine „Bestattung in der Natur“ möglich, denn viele dieser Trauerorte befinden sich per se in einem natürlichen Umfeld und sind auch in vielen Bereichen sehr naturnah gestaltet. Vielmehr scheint nach dem jüngsten Urteil in Frankfurt, in dem sich ein Urnenwaldanbieter und ein freier Landschaftsarchitekt gegenüberstanden, noch ungeklärt, ob nicht Urnenwälder eher eine Gefahr für unsere Umwelt darstellen.

Die politische Entscheidung für einen Urnenwald löst in den Gemeinden die finanziellen Probleme auf dem Friedhof nicht. Vielmehr besteht die Gefahr, dass die Gebührenschraube auf dem Friedhof immer weiter angezogen werden muss, da noch mehr Verstorbene nicht mehr dort beerdigt werden. Hinzu kommt, dass zwischen Kommune und dem privaten Anbieter immer ein künstliches Vertragskonstrukt geschaffen werden muss, nachdem die Kommune als Betreiber und der private Anbieter als Verwaltungshelfer fungiert. Wer partizipiert hier mehr, wer trägt das Risiko für Folgekosten und die Verkehrssicherheit der Besucher? Immerhin beträgt die Nutzungsdauer oft bis zu 99 Jahre! Das sind Fragen, die sich die Verantwortlichen in einer solchen Situation stellen müssen.

Es kann nicht sinnvoll sein, mit der Ausweisung und dem Betrieb von privatwirtschaftlich orientierten Urnenwäldern Gewinne zu privatisieren und die Verluste auf Dauer über die benachteiligten Kommunen zu sozialisieren.

Und das, obwohl die Potentiale auf bestehenden Friedhöfen bestehen und immer mehr alternative Konzepte entwickelt werden. Damit bliebe auch die tatsächliche Hoheit der Kommune über den Friedhof gewährleistet. Die Zulassung eines Urnenwaldes ist nur eine kurzfristige und vielleicht in diesem Zeithorizont auch bequemere Lösung.

Daher ist die Entscheidung in Goch eine ganz besondere: Die Politik hat sich – nach intensiver Auseinandersetzung mit allen Argumenten – gegen das Projekt entschieden, und dass, obwohl die Verwaltung eine andere Empfehlung ausgesprochen hatte. Nicht ungehört blieben dabei auch die Argumente derjenigen, die tagtäglich Trauernden und Hinterbliebenen gegenüberstehen: Bestatter, Steinmetze, Friedhofsgärtner. Sie hatten sich gegen das Konzept ausgesprochen und in ihrer Argumentation v.a. auf das Potential und die Bedeutung der bestehenden Friedhöfe hingewiesen.